Hat Gott gerade Pause?

Pfarrer Axel Bertholdt
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So mag es uns erscheinen, angesichts der unfriedlichen Weltlage. Ich jedenfalls merke, wie es mir immer schwerer fällt in den kurzen biblischen Meditationen bei den monatlichen Friedensgebeten Worte der Hoffnung und Zuversicht zu formulieren. Das geht schon damit los, dass ich angesichts des Schreckens, der sich hinter jeder vermeintlichen Handlungsoption verbirgt, gar nicht weiß, was für eine Entwicklung ich mir bei diesem oder jenem militärischen Konflikt eigentlich wünschen soll. Alle Optionen führen nur zu noch mehr Toten und Verletzten oder Unterdrückung und Mord durch ein dann legitimiertes Unrechtsregime.
Und dass Gott die religiös-ideologisch oder nationalistisch ausgerichteten Kriegstreiber einmal wachküsst und diese ihr Unrecht erkennen lässt, darauf wartet die Welt nun seit inzwischen mindestens vier Jahren vergeblich - seit dem Überfall auf die Ukraine und jetzt seit der Ermordung Tausender bei den Demonstrationen Anfang Januar im Iran.
Was ist denn mit dem dreieinigen Gott los, dessen Wille zum Frieden in der Welt und mit uns in Jesus so klar zum Aus- druck kommt? Wir feiern gerade wieder dessen Auferstehung Anfang April mit dem Osterfest. 
Damals hatten die Freunde Jesu gespürt, wie nahe Gott sein kann und wie klar er seinem Willen Nachdruck verleiht. Selbst der nörgelnde Zweifler im Kreis der Jünger – Thomas – stimmt dem zu, nachdem er den Auferstandenen gesehen und sogar berührt hatte. 
Als Thomas dann Jesus endlich als den Auferstandenen erkennt, da antwortet dieser ihm allerdings ziemlich schroff – diese Antwort wurde als Monatsspruch für den April 2026 ausgewählt: 
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Joh 20,29 
Ich denke, Jesus würde mir genauso antworten, wenn ich ihm vorwerfen würde, dass ich aktuell irgendwie keine Spuren der Liebe, der Hoffnung und des Friedens Gottes in der Welt finde. Auch wenn ich es mir manchmal wünschen würde: Gott ist nicht evident zu beweisen. Wenn wir uns aufmachen, ihn zu suchen, kann das in die Irre führen. Wir sehen das an verblendeten Führern, die meinen, dass sie eine göttliche Sendung ausführen - selbst dann, wenn sie Hass, Tod und Gewalt verbreiten. 
Es geht wohl immer nur andersherum, nämlich dass wir uns von Gott finden lassen. Gott offenbart sich, er zeigt sich nur da, wo er es will. Wir können uns nur bemühen, dafür sensibel zu sein und vielleicht angesichts mancher weltweiten Krise nicht die kleinen alltäglichen Gottesbegegnungen übersehen. 
Gott ist den Jüngern an Ostern und den 40 Tagen danach im Auferstandenen ganz neu begegnet. Halten wir uns daran fest, auch wenn es uns natürlich so geht wie dem biblischen Thomas: Sehen werden wir das nun nicht mehr. Aber Jesus weist ihm und uns den Weg: 
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! 
Und so wünsche ich uns trotz aller Krisen und Gewalt in der Welt ein gesegnetes, ermutigendes, Glauben schenkendes und hoffentlich friedlicheres Osterfest – 
Ihr Pfarrer  Axel Bertholdt