Sind Tsunamis, Überschwemmungen und Dürre-Perioden Strafen Gottes?

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„Was hat diese Katastrophe mit Gott zu tun?“ Diese Frage hätte ich von einem Diplom-Ingenieur nicht erwartet. Der Mann meinte damals den riesigen Tsunami im Indischen Ozean an Weihnachten 2004,  bei dem ungefähr 230.000 Menschen zu Tode kamen und etwa 1,7 Millionen Küstenbewohner obdachlos wurden.

Was hat diese Katastrophe mit Gott zu tun? Vermutlich haben sich das auch manche Menschen vor einem Jahr im Ahrntal gefragt, nachdem sintflutartige Regenfälle in einer einzigen Nacht ihre Häuser und Höfe zerstört hatte; 133 Menschen starben. Oder die Menschen in Oberitalien, wo im Juli der Dürre-Notstand ausgerufen werden musste, weil es seit Januar nicht mehr geregnet hatte. Oder auf Sardinien, wo riesige Heuschreckenschwärme das fraßen, „was die Raupen übrigließen“, wie es im Alten Testament (Joel 1,4) heißt.

Sind das Strafen Gottes? So ähnlich wie die berühmten 10 Plagen, die den ägyptischen Pharao dazu bringen sollten, „umzukehren“ und das Volk Israel aus der Sklaverei zu entlassen (2. Mose 7-11)? Oder wie die biblische Sintflut, von Gott geschickt, weil „der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse“ (1. Mose 6,5)?  

Bis die Naturwissenschaften immer mehr Aspekte unseres Lebens durchleuchteten und Zusammenhänge erklären konnten, galten Wind und Wetter, Donner und Blitz, Hochwasser und Dürre als Äußerungen göttlicher Macht über alles Leben. „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRn sei gelobt!“ Das antwortet Hiob lapidar auf all die „Hiobs-Botschaften“, die ihn erreicht haben (Hiob 1,21).

Nach dem Vorbild antiker Erzählungen betrachtet die Bibel den ganzen Kosmos als ein göttliches Kunstwerk: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1, 31). Anschließend kümmert sich Gott darum, dass seine gute Schöpfung eine Zukunft hat: Den Menschen, für den er seinen Garten Eden angelegt hat, setzt er als Gärtner ein, „damit er ihn bebaute und bewahrte“ (1. Mose 2, 15). Aber der Mensch versagt und begeht die Ur-Sünde schlechthin: Er hält sich nicht an die göttlichen Regeln und Grenzziehungen. Deshalb wird er hart bestraft: Sein unbeschwertes („paradiesisches“) Leben ist verloren. Und mehr noch: Mit einem Mal schwebt das Damokles-Schwert seines Todes beständig über ihm (1. Mose 3).

Das ist der – wahrscheinlich nicht bewusste – Hintergrund für aktuelle Bezeichnungen wie „Klima-Sünden“ oder „Umweltfrevel“. In der Religion bedeutet „Frevel“ die Schändung eines Heiligtums und ein Vergehen am göttlichen Eigentum. Und da Sünden und Frevel in der Bibel göttliche Strafen nach sich ziehen, ist die Eingangsfrage durchaus verständlich.

Was in religiöser Sprache als „göttliche Strafen“ bezeichnet wird, kann man im Kontext von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen heute auch „Tatfolgen“ nennen: Unser Tun (und Lassen) hat Konsequenzen. Aber nicht immer ist für die Einzelnen unmittelbar erkennbar, welche Auswirkungen ihr Verhalten hat. So ist es zum Beispiel beim Klimawandel: Die Folgen klimaschädlichen Verhaltens sind oft erst mit großer Verzögerung sichtbar. Und manchmal zuerst auch nur viele Tausend Kilometer entfernt! Diese Komplexität mag auch heute noch dazu führen, in – scheinbar unvorhersehbaren – Naturkatastrophen „Strafen Gottes“ zu sehen.

In der Bibel können Sünder und Frevler allerdings auch „begnadigt“ werden, wenn sie ihre Verfehlungen einsehen und sich ändern bzw. – in der Sprache der Bibel – „umkehren“. Heute sprechen wir eher von „Wende“: „Energiewende“, „Verkehrswende“, „Ernährungswende“ etc. Immer geht es darum, eine bisherige Lebensausrichtung zu ändern – um eine Katastrophe abzuwenden.

Über dieses Thema wollen wir sprechen:
am Mittwoch, den 21. September
von 19.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr
im Gemeindehaus.

Herbert Kolb und das Team „Glaubensgespräche“