Angedacht zum Monatsspruch

Hiob 19,25
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Liebe Leserinnen und Leser!

Der Monatsspruch für November würde gut so eine Art Zielformulierung für das monatliche Trauercafé im Gemeindehaus hergeben:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Hiob 19,25

Wer das überzeugt mitsprechen kann, der hat wieder eine Perspektive

– für den, um den der jeweilige trauert – aber auch für sich selbst, wenn es darum geht, dem Leben wieder einen Sinn, ein Ziel abzugewinnen.

Wer spürt, dass der liebende Gott lebt und nicht fern ist - trotz aller Trauer über die Trennung, trotz aller Schmerzen über den Verlust, trotz aller Wut über Gottes Ungerechtigkeit – der hat eine lebensspendende Glaubenserfahrung gemacht, der kann den nächsten Schritt gehen.

Es ist das tröstende in vielen biblischen Gebeten (den Psalmen oder hier im Buch Hiob), dass da nach vielen Versen der Traurigkeit, der Zweifel, der Anklage gegen Gott, meist ziemlich unvermittelt dann so ein ganz anderer Satz folgt:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Aber meistens irritiert mich der plötzliche Stimmungswandel. Manchmal wünsche ich mir dann, so ein Psalm würde mir nicht als uraltes schriftliches Dokument, sondern als Kinofilm begegnen. Denn da wird bei solchen Zäsuren oft ein kurzer Text eingeblendet.

- „einen Monat später“

– „im nächsten Frühjahr“

– „fünf Jahre sind seither vergangen“

- oder ähnliches – und als Zuschauer weiß ich dann, es ist eine ganze Menge Zeit ins Land gegangen.

Das vermute ich bei Hiob allerdings auch. Bis sich dieses trotzige „Aber ich weiß!“ Raum verschafft, das dauert eine Weile. Oft habe ich miterlebt, wie sich Menschen in ihrer Trauer nach einem Todesfall zunächst völlig verkrie-chen und kein Wort der Ermutigung oder der Hoffnung hören können. Manche sind über Jahre ganz mit sich und ihren Fragen, Ängsten und Zweifeln beschäftigt. Anderen ist es geschenkt, schon nach ein paar Monaten entdecken zu können, dass Gott trotz aller persönlich erlebter Gottesferne schon am Tag darauf die Sonne hat wieder aufgehen lassen und dass die Blumen auf der Wiese entgegen aller eigener Erwartung nicht über Nacht schwarz geworden sind. Trauer ist Arbeit: Man muss sie angehen – und diese Arbeit braucht auch genügend Zeit.

Ganz unterschiedlich sind die Wege und die Zeit, die Menschen für ihre persönliche Trauerarbeit benötigen. Am Ende aber wird dann mit Gottes Hilfe der Satz stehen, den Hiob aus tiefem Herzen trotzig allen Zweiflern entgegenhält:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Hiob hat nach all den „Hiobsbotschaften“, die ihn erreicht haben, auch lange gehadert – aber dann zurückge-funden – zu einem trotzigen „ABER“.

Allen, die an den kommenden dunklen Herbsttagen schwer an ihrer Trauer um einen lieben Menschen tragen, denen wünsche ich diese Kraft Gottes, die es Hiob dann am Ende ermöglichte, seine Zuversicht neu zu formulieren:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Ihr Pfarrer Axel Bertholdt